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André Schweers

1963 geboren in Mülheim an der Ruhr
Studium Kunst und Geografie an der Universität Duisburg
Studium der Bildhauerei bei Kurt Sandweg
Arbeitsaufenthalte an archäologischen Ausgrabungsstätten in Italien,
Griechenland, der Türkei und Frankreich
Leitung der Papierwerkstatt im Fachbereich Kunst der Uni Duisburg
Ausstellungskonzepte und kuratorische Tätigkeit

Seit 1992 Ausstellungen, Ausstellungsbeteiligungen und Projekte in Deutschland, Österreich, der Schweiz, in Frankreich, Spanien, den Niederlanden, China und den USA.

Werke befinden sich in den Sammlungen großer Unternehmen und in musealem Besitz, wie dem Musée des Beaux Arts in Tours, dem Museum Kunstpalast in Düsseldorf, dem Lehmbruck Museum in Duisburg und der Landessammlung NRW.

Der Plastiker André Schweers gestaltet seine bildkünstlerischen Objekte in der Hauptsache mit Papiermasse unter Einbeziehung anderer Materialien wie Paraffin und Pigmente. Die Verwendung dieser spezifischen Materialien beinhaltet jedoch nicht unmittelbar eine direkte Auseinandersetzung mit dem Element Papier, sondern versteht sich in seiner Materialität als Element der Aneignung von Spur, Hinterlassenschaft und Setzung. Die Papiere, genauer die Papiermassen, die der Künstler verwendet, sind denn auch plastisch gesetzt und verdichten die unterschiedlichen Inhalte der künstlerischen Arbeit in Farb- und Formelementen.

André Schweers arbeitet in Werkserien, bei denen er häufig Titel wählt, die auf Bereiche verweisen, die in der Archäologie, Archivierung oder im Bibliographischen verwendet werden, um seiner spezifischen Inhaltlichkeit Ausdruck zu verleihen. So in der Serie „Bibliotheca conservata“, in der André Schweers Bildblöcke schafft, die den Charakter von Schrifttafeln besitzen. Aus den mittlerweile entstandenen Arbeiten stellt der Künstler für jeweils neue Ausstellungskontexte und Präsentationen gleichsam „geheime Bibliotheken“ zusammen, mit denen er den Charakter von Intimität und Geschichtlichkeit vermittelt. Die „Schrifttafeln“ der „Bibliotheca conservata“ reihen sich wie ein unendliches Wissensarchiv aneinander, das die Qualität von Unzeitlichkeit gewinnt. Die Farbigkeit dieser Bildblöcke ist sehr differenziert, wenngleich für jede einzelne Arbeit im Farbkanon homogen. Kostbare Pigmente, wie wir sie aus dem Mittelalter kennen, stehen hier auch für die symbolische Kraft von Farbigkeit wie das Blau, das stets für das Geistige in der Tradition der Kunstgeschichte eingetreten ist.

Der Bildserie „Bibliotheca conservata“ gegenüber steht eine Werkgruppe größerer Arbeiten mit dem Titel „Folianten“, die den Eindruck von großen Büchern vermitteln und die in ihrer Farbintensität noch gesteigert sind im Gegensatz zu der kleineren Serie. Krapplack-Rot oder ein Lapislazuli-Blau dominieren die Werke und verleihen ihnen einen Charakter von Vergangenheit, Kostbarkeit und Immaterialität. Das im Zentrum der hochrechtformatigen Objekte stark geprägte Papier scheint den Inhalt und die Wissensfülle und Kostbarkeit der bedeutenden Artefakte in sich zu tragen und aus diesem Zentrum heraus gleichsam fast wie in einem Leuchten impulsartig freizusetzen. Im Gegensatz zu der Werkgruppe der „Bibliotheca conservata“, die das Element der „Versammlung“ verschiedener Elemente in sich trägt und dadurch auch mit unterschiedlichen Materialitäten arbeitet, verwendet André Schweers in den „Folianten“ nur Pigment und Papiermasse, um jeweils für jedes einzelne Bildobjekt eine auratische Farb- und Materialpräsenz zu erreichen. Die Verdichtung von Farbe, Form und Struktur ist hier auf ein Minimum reduziert und gleichzeitig in der Ausdrucksstärke gesteigert. Nichts lenkt durch unterschiedliche Informationen die Wahrnehmung ab und der Blick konzentriert und verdichtet sich auf das im Zentrum „eingeschlossene Wissen“, das hier in den Spuren der Seiten scheinbar aufleuchtet. Auch in der Pigmentierung, die die gesamte Papiermasse durchtränkt, entsteht ein gleißendes Licht, das je nach Veränderung des Betrachters im Raum zu einem fast immateriellen Leuchten verschmilzt.

Aus der Bildserie der „Folianten“ entwickelt André Schweers dann in Fortsetzung die noch größer gehaltenen „Prologe“, bei denen es ihm auch um das Verhältnis von Schriftblock zur Fläche und zur Farbigkeit geht. In diesen Formaten verdichtet sich der Farbraum an der Peripherie des Zentrums, wird zum eigentlichen Bild- oder Objektrand hin ganz zart und verdünnt und lässt das eigentliche Zentrum des Bildes, das André Schweers den so genannten Schriftblock nennt, in dem die horizontalen Prägespuren, das Papier und damit die Papiermasse aufbrechen zu einer Helligkeit, die jede andere Stelle des Bildobjektes überstrahlt. Immer wieder beobachten wir bei diesen „Prologen“ eine Verdichtung von Farbmaterie als Bild im Bild und eine gleichzeitige Transparentmachung von Farbpigmenten im Bezug auf den Rand und das Zentrum der Arbeiten. Ein Farbraum entsteht dadurch, der ein besonderes Leuchten provoziert, das die materielle Qualität des Papiers fast zur Aufhebung bringt. Dabei bleibt André Schweers in der Regel in der gleichen Farbigkeit, die er von hell nach dunkel variiert, geht aber in einigen Arbeiten auch dazu über, das Zentrum durch goldgelbes Pigment noch zusätzlich zu überhöhen. Die Bedeutung, die Kostbarkeit und die Wichtigkeit des konservierten Wissens, das in diesen Arbeiten thematisch fassbar wird, findet so ihr visuelles Äquivalent.

André Schweers begibt sich mit seinen Arbeiten stets auf eine Art von Spurensuche, in denen er Bildobjekte realisiert, die das Thema der Idee, und des geistigen Inhaltes in Artefakte gießt, – im doppelten Sinne der Bedeutung – und die das Thema in ästhetisch visuelle Form bringen. Das Buch als Hort der Ideen aber gleichzeitig auch als kostbares Objekt geheimer Gedanken findet in seinen Arbeiten Entsprechungen und wird unter den maßgeblichen Bedingungen von künstlerischer Gestaltung nach den Kriterien von Farbe, Form, Materialität und Raum hinterfragt und gespiegelt. Die strukturelle Qualität und die Prozesse, die sich im Entstehungsablauf ergeben, sind dem Künstler willkommen und werden in der ihm eigenen Art immer wieder zu neuen visuellen und wahrnehmungsspezifischen Ergebnissen umgesetzt.

In seinen Objekten kann man lesen wie in Büchern, in seinen Büchern kann man wahrnehmen und visuell entdecken wie allein in Werken der bildenden Kunst.

Der Text „Die Bibliotheca conservata“ (Kapitelsaal St. Julien, Tours (F), April 2003) wurde von Frau Dr. Gabriele Uelsberg, Direktorin des Rheinischen Landesmuseum, geschrieben.

André Schweers
Camaret I (Foliant)

Entstehungsjahr: 2016
Größe: 60x50 cm, ungerahmt
Technik: Papierguss und Pigmente
Unikat, signiert
Preis auf Anfrage

André Schweers
Scripturale #03

Entstehungsjahr: 2018
Größe: 80x40 cm (mit Acrylvitrine 89x52 cm)
Technik: Papierguss
Unikat, signiert
Preis auf Anfrage

André Schweers
Castelnau I (Foliant)

Entstehungsjahr: 2017
Größe: 60x50 cm (mit Acrylvitrine 71x61 cm)
Technik: Papierguss und Pigmente
Unikat, signiert
Preis auf Anfrage

André Schweers
Scripturale #12

Entstehungsjahr: 2018
Größe: 58x32 cm (mit Acrylvitrine 77x48 cm)
Technik: Papierguss
Unikat, signiert
Preis auf Anfrage

André Schweers
Flag (ultramarine)

Entstehungsjahr: 2018
Größe: 65x75 cm (mit Acrylvitrine 83x92 cm)
Technik: Papierguss und Pigmente
Unikat, signiert
Preis auf Anfrage

André Schweers
Fumerates I (Foliant)

Entstehungsjahr: 2009/17
Größe: 60x50 cm (mit Acrylvitrine 71x61 cm)
Technik: Papierguss und Pigmente
Unikat, signiert
Preis auf Anfrage

André Schweers
Scripturale

Entstehungsjahr: 2018
Größe: 44x28 cm (mit Acrylvitrine 58x41 cm)
Technik: Papierguss
Unikat, signiert
Preis auf Anfrage

André Schweers
Flag (rot)

Entstehungsjahr: 2018
Größe: 65x75 cm (mit Acrylvitrine 83x92 cm)
Technik: Papierguss und Pigmente
Unikat, signiert
Preis auf Anfrage